Hamsterkäufe im Gaza

Der palästinensische Taxifahrer Nidal Eslim will sich von Israel nicht die Lebensgrundlage entziehen lassen. «Ich habe begonnen, Benzin zu horten, damit ich weiter arbeiten kann, wenn die Israelis die Versorgung unterbrechen», sagt der siebenfache Vater aus Gaza.
Es ist der Tag eins, nachdem Israel den Gazastreifen zum «feindlichen Gebiet» erklärt und die Einschränkung der Warenlieferungen angekündigt hat. 500 Liter Treibstoff will Eslim sich besorgen. «Irgendwie muss man überleben», meint der 33-Jährige, dessen einzige Einkommensquelle das Taxi ist.

Benzin ist nicht das einzige, was die Bewohner des Gazastreifens hamstern. Auch Trinkwasser und Lebensmittel werden in grossen Mengen gekauft. Schliesslich hatte Israel am Mittwoch nicht nur angekündigt, die Lieferung von Öl zu verringern und die Stromversorgung zu drosseln, sondern auch die Lieferung von Nahrungsmitteln einzuschränken.

In dem schmalen Küstenstreifen am Mittelmeer leben 1,5 Millionen Menschen schon jetzt unter extrem schwierigen Bedingungen. Das Gebiet, das zu einem der ärmsten der Welt gehört, ist seit der Machtübernahme der radikal-islamischen Hamas im Juni bereits weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten.

Es sei unlogisch, den Gazastreifen mit Benzin zu beliefern, das die Extremisten dann für ihre Raketenwerfer benutzten, versucht ein Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums die Entscheidung zu rechtfertigen. Zudem werde Israel die Versorgung nicht ganz unterbrechen, sondern nur zurückschrauben, beschwichtigt Amos Gilad im Armeerundfunk.

Vor einer erwarteten Total-Blockade decken sich Palästinenser im Hamas-geführten Gazastreifen mit Benzin und Lebensmitteln ein. (Bild: Reuters/Ibraheem Abu Mustafa)

Totale Wasserabhängigkeit von Israel

Israel liefert mehr als 70 Prozent des Stroms in den Gazastreifen und fast das gesamte Trinkwasser. Die Mehrzahl der Lebensmittel, Medikamente und anderer Güter kommen über die von Israel kontrollierten Grenzen.

Von einer «Kollektivstrafe» sprach nicht nur die Hamas, sondern auch die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Auch sonst stiess das Vorgehen Israels in der internationalen Politik auf scharfe Kritik. Die UNO und die EU forderten Israel auf, seine Entscheidung zurückzunehmen.

Die Betroffenen machen ihrer Empörung lautstark Luft. «Das ist eine ungerechte Entscheidung, die das Leiden der Menschen im Gazastreifen noch verschlimmert», wettert Ahmed, der an der Universität von Gaza arbeitet. Er befürchtet das Schlimmste.

Erster Akt der totalen Zerstörung?

Ayman Abu Assi ist über das Vorgehen der Israelis nicht erstaunt. «Die Israelis wollen den Gazastreifen unter dem Vorwand zerstören, die Hamas zu vernichten», sagt der 23-jährige Arbeitslose. «Wir wissen nicht, was wir tun sollen, und geben uns in die Hände Gottes.»

Die Entscheidung Israels sei ein «Auftakt für Bombardements, die den Gazastreifen in ein zweites Afghanistan oder einen zweiten Irak verwandeln werden», ist sich der 40-jährige Arbeiter Ahmed Abu Dalul sicher. Und auch der Arzt Muawija Hassanin sieht «eine reelle Gefahr einer israelischen Invasion». Bei einer Offensive oder einer Totalblockade drohten tausende Kranke zu sterben.

Nur die Hausfrau Um Mumen ist optimistischer. Sie spricht von leeren Drohungen Israels. Das Land wolle der Hamas nur Angst machen und die radikal-islamische Bewegung zum Rückzug bewegen. Dabei könne Israel «in Wirklichkeit rein gar nichts unternehmen».

Hamas errichtet erste Panzersperren

Kämpfer der bewaffneten Palästinensergruppen im Gazastreifen bereiteten sich unterdessen auf den Ernstfall vor - und errichteten in den Orten nahe der israelischen Grenze Panzersperren.
In der ersten Septemberhälfte haben Terroristen im Gaza-Steifen den Abschuss von Raketen und Mörsergranaten sowie die Versuche, zwecks Ausführung von Terroranschlägen gegen israelische Bürger in israelisches Territorium einzudringen, fortgesetzt. Die Terroristen haben dabei sowohl Zivilisten als auch Soldaten ins Visier genommen. Während der zweiwöchigen Periode landeten in Israel 34 Raketen und 66 Mörsergranaten. Über 70 Menschen wurden dabei verletzt, und Dutzende, darunter Kinder, mussten sich wegen Schocks behandeln lassen. Außerdem entstand erheblicher Sachschaden. Dabei wurden zahlreiche geplante Anschläge im Vorfeld vereitelt. Auch dort, wo die Hamas nicht direkt in Attacken gegen Israel involviert ist, werden diese von ihr gestattet und ermutigt.
Quelle: jns und Agenturen
23. September 2007

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