Israelische Zurückhaltung hat Grenzen

Die Gewalteskalation im Gaza-Streifen hat auch im Zentrum des gestrigen Gesprächs zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und dem jordanischen König in Akaba gestanden. Abdallah empfing seinen Gast in seinem Palast an der Küste des Roten Meeres.

Die Jordanier verliehen ihrer großen Besorgnis hinsichtlich der Kämpfe zwischen Hamas und Fatah Ausdruck. Olmert sprach über die Zurückhaltung, die Israel angesichts der Kassam-Beschüsse und des Erstarkens der Hamas an den Tag legt, und betonte dabei: „Es gibt eine Grenze für unsere Zurückhaltung.“

Abdallah versicherte Olmert, dass seine Initiative zur Förderung des Friedens von den gemäßigten arabischen Staaten unterstützt werde. Bei dem Treffen, an dem auch der Außenminister, der Hofminister und der Geheimdienstchef Jordaniens teilnahmen, baten die Gastgeber darum, dass Israel die eingefrorenen Gelder der Palästinensischen Autonomiebehörde freigeben und den Bau neuer Siedlungen stoppen möge. Olmert entgegnete darauf, dass Israel eine Freigabe von Geldern erwäge, jedoch nur, wenn sichergestellt werde, dass diese für humanitäre Zwecke verwendet und vom Vorsitzenden der Autonomiebehörde verteilt würden.

Sderot im Raketenhagel

In der südisraelischen Stadt Sderot sind seit gestern Abend 24 Kassam-Raketen eingeschlagen, die aus dem Gaza-Streifen abgeschossen wurden. Zwei landeten außerhalb der Stadt und vier weitere bei Ashkelon. Die Verantwortung für die massiven Raketenangriffe hat die Terrororganisation Hamas übernommen.

In Sderot wurden bei dem direkten Einschlag einer Rakete in einem Haus eine 45jährige Frau schwer und ihr Sohn mittelschwer verletzt. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Verletzten bereits auf 18 Menschen. Aus Sorge vor weiteren Attacken blieben die Schulen in Sderot heute geschlossen. Viele Bürger verlassen aus Angst die Stadt.

Die israelische Armee (ZAHAL) hat sich in ihrer Reaktion bisher auf punktuelle Maßnahmen beschränkt. So nahmen Helikopter gezielt Kassam-Abschussrampen im Gaza-Streifen unter Beschuss. Regierungsvertretern zufolge werden die gegenwärtigen Angriffe auf Sderot wohl vorerst nicht zu einer Änderung des zurückhaltenden Kurses führen, dem sich ZAHAL derzeit verpflichtet fühlt.

Der israelische Verteidigungsminister und stellvertretende Ministerpräsident Amir Peretz erklärte allerdings gestern Abend auf einer Sondersitzung: „Israel kann Angriffe auf seine Bürger nicht tolerieren. Wir werden tun, was auch immer notwendig ist, um unsere Souveränität und die Sicherheit unserer Bürger zu schützen. Israel wird nicht an einem innerpalästinensischen Machtkampf teilnehmen. Wir werden energisch antworten.“

Israel schlägt zurück

Ein Gebäude der Hamas wird von der israelischen Luftwaffe schwer getroffen. (Bild: Keystone/ADEL HANA)

Nachdem erneut Raketen aus dem Gaza-Streifen nach Israel abgeschossen worden waren, flog die israelische Lufwaffe einen Angriff gegen die Hamas-Miliz. Augenzeugen berichteten, das Gebäude der Polizei-Miliz sei getroffen worden und es steige dichter Rauch auf.

Als Reaktion auf den andauernden Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebiets drangen israelische Panzer zudem in den nördlichen Gazastreifen vor. Eine Armeesprecherin bestätigte, eine kleine Einsatztruppe befinde sich auf palästinensischem Gebiet, sei allerdings nicht sehr weit von der Grenze entfernt.

Es handele sich um einen Routineeinsatz, es seien keine Angriffe geplant. Aus israelischen Militärkreisen verlautete allerdings, die Panzer sollten gegen militante Palästinenser eingesetzt werden, die Israel mit Raketen beschiessen.

Quelle: jns und Agenturen
17. Mai 2007

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