Der Schwanz der Katze
Von Yoel Marcus
Wenn auf dem Gipfel in Annapolis der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ausbricht, fresse ich meinen Hut. Zufall oder nicht, drei Tage nach dem geplanten Eröffnungsdatum des Gipfels, am 29. November, werden es sechzig Jahre her sein, dass die Generalversammlung der UNO den Teilungsplan für die Schaffung zweier Staaten im Mandatsgebiet Palästina verabschiedet hat. Die Juden begrüssten die Resolution mit Singen und Tanzen. Die Araber wiesen sie kategorisch zurück und eröffneten am nächsten Tag das Feuer auf zwei Busse der Linie Egged.
Der Ausrufung des Staates am 14. Mai 1948 folgte der Unabhängigkeitskrieg, und das Blut, das seither vergossen wurde, ist auf jeder Seite der Geschichtsbücher zu finden. Die Dummheit, die Unnachgiebigkeit und der Hass der Palästinenser haben Israel nach dem Sechs-Tage-Krieg zu 40 Jahren Besatzung und Beherrschung des palästinensischen Volkes veranlasst. Es hat uns viel Zeit gekostet, bis wir verstanden haben, dass dieser glorreiche Sieg, der überall in der Welt an Militärakademien studiert wird, ein Pyrrhussieg war. Ausser Israel herrscht heute kein demokratisches Land über ein anderes Volk. Israel wurde zum Gefangenen der 40jährigen Besatzung. Wir wurden in ein chronisches Ziel für Terror und Tadel verwandelt. Wir werden von der islamischen und von der aufgeklärten Welt angeprangert.
Der Annapolis-Gipfel führt uns 60 Jahre zurück, jedoch mit einem Unterschied: Die meisten Palästinenser sind heute bereit, das Land zu teilen, allerdings unter der Bedingung, dass sie nicht einen einzigen Cent für ihre Idiotie, ihre Ungeschicktheit und ihre Verbrechen – ganz zu schweigen von dem jüdischen Blut, das sie vergossen haben - zahlen müssen. Sie verlangen, dass wir die Uhr zurückdrehen, dass wir ihnen eine Entschädigung bezahlen, dass wir ihrem Rückkehrrecht zustimmen und so weiter und so fort. Ich weiß nicht wie das arabische Palästina heute aussehen würde wenn die Palästinenser den Teilungsplan der UNO im Jahr 1947 akzeptiert hätten. Meine Vermutung ist, dass dieser Staat größer wäre, dass wir ganz gute Nachbarn wären und dass es ihnen besser ginge als es ihnen heute tatsächlich geht. Doch die Welt hat sich geändert. Die politischen Interessen haben sich gewandelt. Imperialismus ist nicht länger in Mode. Der Kalte Krieg zwischen den Supermächten hat sich in einen Kampf gegen den neuen Feind verwandelt: wahnsinnige islamische Fundamentalisten, die den Ungläubigen, dem großen und dem kleinen Satan einen globalen Krieg erklärt haben. Alle sind Ziele tödlichen, willkürlichen Terrors – Terror, dem atomare Klauen wachsen.
Wer hätte gedacht, dass nach der Vernichtung von sechs Millionen Juden ein muslimischer, die Shoa leugnender Führer in New York auftreten und öffentlich erklären würde, dass es sein Ziel sei, Israel auszulöschen? Wer hätte gedacht, dass seine Abgesandten und Dozenten Israel infiltrieren und den palästinensischen Terrororganisationen helfen würden, den Job zu beenden, den Hitler nicht beendet hat?
Wenn es je eine Zeit gab, in der starke Staatsführer benötigt wurden, um ein Abkommen zwischen den beiden Völkern zu erzielen, bevor eine dritte Intifada ausbricht, dann ist diese Zeit jetzt. Der erste, der dies begriff, war Ariel Sharon, der den Traum von einem Großisrael auf Eis gelegt und sich auf die Abkopplung von den Gebieten und die Teilung des Landes konzentriert hat. Niemand weiß, was er getan haben würde, hätte er gesehen, wie die Evakuierung von Gush Katif ausgegangen ist, wie sich der Gaza-Streifen von einem befreiten Gebiet in eine Basis der Hamas für Angriffe auf israelische Städte verwandelt hat. Doch es ist nun klar, dass die Abkopplung ein Fehler war. Es gibt keinen Ersatz für ein Abkommen zwischen den Parteien und es wird niemals einen geben.
Am Vorabend des Gipfels besteht das Problem in der schwachen Führung von Ehud Olmert und Mahmoud Abbas. Die beiden sehen eher wie zwei britische Gentlemen aus, die sich in einem Club auf einen Drink treffen, als zwei robuste Staatsmänner, die die Extremisten auf ihren Seiten dazu bringen können, Frieden zu akzeptieren, der auf gemeinsamen Konzessionen und der Versöhnung mit dem Feind basiert. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Mahmoud Abbas seinen Fuß in den Gaza-Streifen setzt und dort den Terror stoppt, Terrororganisationen auflöst und das Raketenfeuer auf Israel beendet. Ich kann mir ebenfalls nur schwer vorstellen, dass Ehud Olmert, der unter einer Wolke von polizeilichen Ermittlungen sitzt, eine Viertelmillion Anhänger eines Großisraels dazu bringt, die Gebiete aufzugeben und einigen ihrer Siedlungen Lebewohl zu sagen. Ich weiß nicht wie Ehud Olmert im Kabinett mit Ehud Barak umgehen will, der gegen den Gipfel ist und ihn „heiße Luft“ nennt, oder Tzipi Livni und Avi Dichter, die voller Zweifel sind, oder Shaul Mofaz, der sagt: „Jerusalem ist kein Immobilienobjekt“.
Über Politiker wie Olmert und Abbas sagte Pinhas Sapir einst, sie könnten nicht einmal einen Knoten in den Schwanz einer Katze binden. Mit George W. Bush und Olmert, die beide am unteren Ende der öffentlichen Meinungsumfragen gelandet sind, und mit Abbas, dem die Unterstützung seines Volkes fehlt, wird in Annapolis nicht der Frieden ausbrechen. Die Bedeutung des Gipfels liegt darin, dass er überhaupt stattfindet. Durch Reden ist noch niemand gestorben.
Quelle: Ha’aretz, jns
08.Oktober 2007
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