Tischa'a Be'av
Am heutigen Montagabend beginnt der jüdische Trauertag Tischa Be´Av. Juden in aller Welt gedenken unter anderem der Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels in Jerusalem. In den Sommermonaten gibt es im Judentum keinen Feiertag, jedoch eine dreiwöchige Trauerzeit vom 17. Tammus bis zum 10. Aw.
Der Trauertag wird jedes Jahr am 9. Tag des jüdischen Monats Av begangen. Von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang wird gefastet. Zudem sollten sich Juden aller "weltlichen Freuden" enthalten.
Laut jüdischer Tradition wurden beide Tempel am 9. Av zerstört und die Mauern Jerusalems von den Feinden "geschleift" wurden (17. Tammus). Im Jahr 586 vor der Zeitrechnung verwüsteten die Babylonier den ersten Tempel, der unter König Salomo erbaut worden war. Im Jahr 70 unserer Zeitrechnung wurde auch der zweite, herodianische Tempel von den Römern zerstört. Ausserdem wurde im Jahr 135 unserer Zeitrechnung der Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer niedergeschlagen. Die Vertreibung der Juden 1492 in Spanien begann ebenfalls an diesem jüdischen Datum.
Nach rabbinischer Überlieferung war der 9. Av bereits ein Trauertag, als das Volk Israel aus Ägypten auszog.
Zur Liturgie gehört die Lesung des biblischen Buches "Klagelieder". In das Achtzehnbittengebet (Schmone essre) wird eine Passage um Trost für Zion und den Wiederaufbau Jerusalems eingefügt.
Während dieser Trauerzeit, die auch "Die drei Wochen" genannt wird, gelten dieselben Trauervorschriften wie für die Omer-Zeit. Die Tage vom l. bis zum 10. Aw jedoch werden mit noch strengerer Trauer begangen. Es wird weder Fleisch gegessen noch Wein getrunken, ausser an einem dazwischen fallenden Schabbat oder bei einer Brit Mila-Beschneidung.
Es wird auch keine neue Kleidung gekauft noch getragen.
Der Tischa Be´Av endet am Dienstagabend.
Vorschriften und Ablauf des Trauertages
Man isst ein kräftiges Abendmahl vor Sonnenuntergang ohne Fleisch und Wein. Vor dem Fasten wird noch ein gekochtes Ei mit Asche bestreut gegessen, als Zeichen der Trauer für die Tempelzerstörung.
Es ist verboten, Lederschuhe zu tragen. Schuhe mit Gummisohlen sind empfohlen.
In der Synagoge werden die Vorhänge des Toraschreins, die Toraabdeckungen sowie die Samtdecken des Vorlesepults abgenommen. Ferner wird die Beleuchtung auf ein Minimum reduziert zum Zeichen der Trauer.
Der Abendg'ttesdienst wird in einer besonderen Trauermelodie gehalten. Gleich nachher setzt man sich in der Synagoge auf Schemeln statt auf den Sesseln nieder und rezitiert die Klagelieder des Jeremia aus dem gleichnamigen Buch der Bibel "Ejcha!" sowie andere traurige Elegien.
Beim Morgeng'ttesdienst tragen die Männer weder Tallit noch die Te'fillin, auch der Kantor nicht, da diese eine Zierde sind, die sich am Volkstrauertag nicht ziemt anzulegen.
Es werden viele Klagelieder und poetische Trauerlieder im Trauerton vorgetragen.
Der ganze Tag wird in Trauer verbracht. Mancherorts war es auch Brauch, die Gräber zu besuchen.
Der 9. Av ist der einzige Tag, an dem es verboten ist, Torah zu studieren, denn das Studium bereitet Freude. Man soll sich nur mit Themen bezüglich des 9. Aw beschäftigen. Dafür sind biblische Stellen mit diesem Thema zulässig, auch Schriften wie das Buch Hiob.
Es besteht kein generelles Werkverbot am 9. Av. Jedoch war es üblich, an diesem Tag möglichst nicht zu arbeiten, wenigstens nicht bis Mittag.
Im heutigen Israel bemüht man sich, am 9. Av am G'ttesdienst an der Westmauer des einstmaligen Tempels teilzunehmen und andere historische Stätten der jüdischen Vergangenheit aufzusuchen. Im Lande herrscht allgemeiner Volkstrauertag. Alle Theater, Vergnügungslokale u. dergleichen sind geschlossen. Radio und Fernsehen senden nur Nachrichten und Kommentare ,keinesfalls Unterhaltungsmusik oder heitere Programme. Die Lieder an diesem Tag sind in Israels Radio eher getragener Natur.
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