Der Golf ist nicht persisch

Leitartikel der Haaretz-Redaktion

Der Aussenminister des Sultanats Oman, Yussuf Ben-Alawi, war damit einverstanden, sein Treffen mit Aussenministerin Tzipi Livni im Sheraton-Hotel Doha (Bild) am Montag dieser Woche mit einem kurzen Fototermin zu beginnen. In den vergangenen acht Jahren, seit die Beziehungen zwischen beiden Staaten vor dem Hintergrund der Al-Aqsa-Intifada unterbrochen wurden, haben sich israelische und omanische Aussenminister hauptsächlich heimlich getroffen, in europäischen Hauptstädten und am Rande der UN-Vollversammlung.

Bei allem, was mit Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt zu tun hat, ist der Fortschritt in Millimetern zu messen. Insofern sollte man, auch wenn es wie eine Anekdote am Rande wirkt, die symbolische Geste des omanischen Aussenministers nicht gering schätzen, insbesondere als sie nicht auf eine israelische Bitte hin erfolgte.

Wenn Oman sich diese Woche einige Millimeter in Richtung Israel bewegt hat, dann ist Katar einige gute Meter voran geschritten. Die Aussenministerin meint, dass die Katarer fast bis ans Ende gegangen seien. Man braucht nur die Schlagzeilen in Doha erscheinender Zeitungen oder die Sendungen von Al-Jazeera zu sehen, um zu verstehen, dass die Katarer sich nicht nur nicht ihrer Kontakte mit Israel schämen, sondern auch nicht zögern, dies jedem mitzuteilen.

Katar und Oman sind prominente aktuelle Beispiele, doch auch in anderen Golfstaaten hat ein Wandel in Bezug auf alles, was mit Israel zu tun hat, stattgefunden. In den vergangenen zwei Jahren haben auch nicht wenige – wenn auch geheime – Treffen zwischen Livni und ihren Kollegen aus Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten stattgefunden. Das prominenteste Beispiel ist die saudische Friedensinitiative vom März 2002, die, wenngleich Israel nicht allen Passagen zustimmt, zum ersten Mal die panarabische Bereitschaft für eine Normalisierung mit Israel auf die Tagesordnung gesetzt hat.

Worin unterscheiden sich Katar und Oman von Damaskus und Beirut? Es scheint, dass die physische Distanz von dem Konflikt und die Tatsache, dass die meisten der Golfstatten sich noch nie aktiv mit Israel bekriegt haben, keine geringe Rolle spielt bei diesem Unterschied. Ein zusätzlicher Grund ist die Marktwirtschaft. Zwar beschäftigt die Notwendigkeit, das palästinensische Problem zu lösen, die Regime am Golf, die regionale Stabilität, das wirtschaftliche Wachstum, die internationalen Börsen und Investitions- und Entwicklungsmöglichkeiten beschäftigen sie aber nicht weniger.

Es gibt noch einen zusätzlichen Faktor, der mit dem Wandel in der Region zu tun hat: Alte Lager, die obsolet sind, die gemeinsame Sorge vor einem Aufstieg der radikal-shi’itischen Achse unter Führung des Iran, der bei Erhalt der Atomwaffe den Reichtum der Golfstaaten irrelevant machen könnte.

Der Besuch Livnis in Katar und ihre Treffen mit Führungsfiguren der Golfstaaten waren nicht präzedenzlos. Dennoch hat sich gegenwärtig eine breitere und offenere Brücke zu diesen Staaten aufgetan, und die Möglichkeit eines vertiefenden und ernsthaften Dialogs, der auf Augenhöhe stattfindet und ohne Selbstverleugnung Israels für einen Händedruck oder ein gemeinsames Foto auskommt, hat sich erweitert.

Der Weg zur Normalisierung ist noch lang, das grundlegende Misstrauen hinsichtlich der Absichten Israels wird nicht morgen verschwinden, und auch nicht in einem Jahr. Aber die Demonstration von Israels Willen in Bezug auf alles, was die Zwei-Staaten-Lösung berührt, wird den Prozess voranbringen. So könnten wir bald feststellen, dass der Frieden mit den Golfstaaten ein warmer sein wird.

Haaretz, 17.04.08

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