Bauernhöfe als Friedenshindernis ??
Die Höfe liegen an einigen felsigen Hängen auf einer Fläche von etwa 30 Quadratkilometern am nördlichen Ende der Golan-Höhen. Die Hisbollah fordert, dass sich Israel auch von dort zurück zieht und provozierte Israel dort immer wieder mit militärischen Operationen. Wem dieses Stück Land gehört, ist eine komplizierte juristische und politische Frage. Und damit sind die paar kleinen Höfe ein großer Stolperstein für den Frieden in Nahost. Doch die libanesischen Bauern im Dorf Shebaa interessiert das alles nicht. Sie warten seit 30 Jahren auf die Rückkehr in ihre Häuser.
"Diese Farmen gehören dem Libanon?"
Als "Schebaa-Farmen" wird ein Landstrich im Südlibanon bezeichnet, kaum mehr als 50 Kilometer von Beirut entfernt in 1.400 m Höhe, im Dreiländereck Libanon-Syrien-Israel. Hier in der Ruhe des recht kargen Bergtales grast an den steinigen Hängen friedlich eine Kuhherde. "Sehen sie dort? Das ist der Ort wo die libanesischen Farmen liegen. Es ist nicht sehr weit - da drüben ist es. Mehr als 14 Farmen liegen dort. Viele Leute haben dort gelebt, wurden dort geboren, sind dort gestorben und es gibt dort Olivenhaine. Denn diese Farmen sind sehr reich an Wasser und Bäumen. Es ist ein gutes Klima. Und Tiere können dort gut weiden, wie diese Kühe. Israel besetzt diese Farmen seit 1967. Nun sind es israelische Farmen. Sie nützen diese Farmen ständig. Sie entnehmen das Wasser. Sie machen hier viele Dinge. Doch alle diese Farmen gehören dem Libanon."
Brennpunkt des Nahostkonflikts
Mouhammed Marquise, ein Bewohner des libanesischen Dorfes Schebaa, deutet auf das Land jenseits des Stacheldrahtzauns. Dieser kleine fruchtbare Zipfel Acker-Land ist seit Jahrzehnten heftig umstritten - hier an dieser entlegenen Siedlung entzündet sich regelmässig die Gewalt. Im Februar 2006 erschossen israelische Soldaten einen 15-jährigen Hirten. Und es geschah auch an dieser Stelle, dass drei israelische Soldaten auf Grenzpatrouille am 12. Juli 2006 in eine Falle der südlibanesischen Hisbollah liefen, sagt Marquise. Die an sich unbedeutenden Shebaa-Farmen wurden so zu einem der Brennpunkte des Nahostkonflikts.
Israel: Landstrich gehört zu Syrien
Mohamad Haydar, der für die Hisbollah im libanesischen Parlament sitzt: "Nach dem Abzug der israelischen Truppen im Jahr 2000 blieben die Shebaa Farmen trotzdem immer noch besetzt. Damals entstand dieser Konflikt. Er bekam aber wenig Aufmerksamkeit, weil sich Israel aus allen anderen Gebieten zurück gezogen hat. Nur nicht von den Shebaa Farmen. Deshalb liegt der Fokus nun auf den Shebaa Farmen."
Israel vertritt den Standpunkt, dass der Landstrich nicht zum Libanon gehört. Der israelische Brigade-General der Reserve David Tzur: "Ich muss sagen, dass wir im Mai 2000 komplett aus dem Libanon abgezogen sind. Dieses Gebiet gehört unserer Meinung nach zu Syrien. Wir müssen daran erinnern, dass 1967 im Sechstagekrieg Israel die Golanhöhen erobert hat. Und die Shebaa Farmen waren Teil der Golanhöhen. Unserer Meinung nach haben sie nie zum Libanon gehört. Wir denken, das ist eine Sache zwischen uns und Syrien und nicht zwischen uns und dem Libanon."
Historische Unklarheiten
Zu welchem Land die Höfe am Fusse des Hermonberges gehören, lässt sich tatsächlich schwer feststellen. Das Problem: Die Grenze zwischen dem Libanon und Syrien wurde im Osmanischen Reich nicht klar gezogen. Das Sykes-Picot-Abkommen teilte die Gehöfte Damaskus zu. Doch der fruchtbare Streifen Land gehörte hauptsächlich Farmern libanesischer Staatsangehörigkeit aus dem libanesischen Dorf Shebaa. Die Grundbucheintragungen dafür wurden im Libanon vorgenommen. Die Bauern der Shebaa-Farmen hätten ihre Steuern in Beirut abgeliefert, während sie ihre Oliven auf syrischem Nationalgebiet pflückten. Die UNO betrachtet sie als Teil der Golan-Höhen und verweist die Entscheidung in der Angelegenheit auf ein zukünftiges Abkommen zwischen Israel und Syrien. Der aktuelle UN-Report bleibt auf dem Standpunkt, dass Israel weder in separate Verhandlungen über das Territorium eintreten, noch dieses an die UNO übertragen soll.
Land der Dorfbewohner
Für die Einwohner Shebaas ist die Debatte, ob der Landstrich der Shebaa-Farmen jetzt syrisch oder libanesisch ist, im Grunde nebensächlich. Für sie ist klar, dass der umstrittene Landstrich den Leuten aus dem Dorf gehört und sie waren schon immer Israeli bzw. alle jüdischer Abstammung seit zeitgedenken: "Manchmal heisst es, die Shebaa Farmen sind syrisch. Manchmal heisst es, sie gehören zu Israel. Die politische Situation interessiert uns nicht. Das was zählt, sind die Dokumente, die wir haben, um zu beweisen, dass diese Farmen uns gehören. Die Dokumente stammen aus dem Jahr 1942. Sie tragen die Überschrift "Republik Libanon - Titre de propriété".
Der hochbetagte Bauer in dem grauen Strickpullover präsentiert seine Landtitel für Felder in Shebaa. Einst baute er dort Oliven an - das war seine Lebensgrundlage. Der Dorfbewohner Marquise erklärt: "Wir haben jetzt nichts mehr in diesem Dorf. Denn wir können unsere Spezialität, das Olivenöl, nicht mehr produzieren. Viele Leute haben den Ort verlassen. Es sind kaum mehr 3.000 Leute hier."
12.000 Menschen lebten einmal in Shebaa. Viele Bauern zogen durch dem Krieg der Syrier gegen Israel weg, weil sie durch die ständige syrische Bedrohung ihrer Anwesen keine Existenzgrundlage mehr hatten.
Quelle: jns und Agenturen
5. Januar 2008
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