Tel Aviv lässt die Alltagssorgen vergessen
Party-Tempel statt Pilgerstätten: Die israelische Metropole Tel Aviv ist eine säkulare Insel im Heiligen Land.
«In Haifa arbeiten wir, in Jerusalem beten wir und in Tel Aviv feiern wir», sagt Touristenführer Hagai Ayad (37) über seine Stadt. Und nach einem Tag Aufenthalt merkt jeder: Tel Aviv hat wirklich nichts zu tun mit den gängigen Israel-Klischees.
Am langgezogenen Stadtstrand wähnt man sich eher in Miami als im Nahen Osten, in der City reiht sich ein Spitzenrestaurant ans andere – und am Abend verwandeln weit über 100 Bars und Clubs die Innenstadt in eine riesige Festhütte.
Vor allem im Trendviertel Neve Zedek, der Tel Aviver Version von Soho in New York, geht es mindestens so ab wie in den grossen europäischen Metropolen. «Hier erholen sich die jungen Israeli von ihren Alltagssorgen», so Avi (31), der Boss der Nanuchka-Bar an der Lilienblum Street. Diese bestünden nicht in erster Linie aus der dauernden Gefahr von Anschlägen durch palästinensische Terroristen – «daran haben wir uns ja beinahe gewöhnt, das ist unser Alltag» –, sondern vor allem aus dem ständigen Säbelrasseln von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. «Dieser Kerl baut die Bombe und will uns auslöschen. Was haben wir ihm angetan?»
Sagts, wechselt das Thema und hebt das Glas zum israelischen Prost. «Le Chaim.» Aufs Leben.
Vielfalt auf kleinstem Raum
Das moderne Israel, das dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert, ist mit einer Fläche von knapp 21 000 Quadratkilometern nur gerade halb so gross wie die Schweiz. Entsprechend rasch erreicht man von Tel Aviv aus die für Touristen interessanten Zentren. Die 60 Kilometer nach Jerusalem bewältigt man auf der modernen Autobahn in nur gerade 40 Minuten, den See Genezareth erreicht man in 90 Autominuten, das Tote Meer in zweieinhalb Stunden.
Tägliche Flüge ab Zürich
Die israelische Fluggesellschaft El Al fliegt zweimal täglich von Zürich nach Tel Aviv. Die Flugzeit beträgt knapp vier Stunden. Aber Achtung: Jeden Freitagabend bis Samstagabend gibt es ein freiwilliges «Grounding». Grund: Wegen der Einhaltung des Sabbat finden dann keine El-Al-Flüge statt. Der günstigste Preis für ein Retourticket (Stand Mai) beträgt Fr. 874 Franken inkl. aller Taxen/Gebühren ab Zürich, bei Buchung via Internet. www.elal.co.il
von Andy Fischer
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