„Antizionismus als Form von Rassismus“

Von Bradley Burston

Seit Jahrzehnten gibt es eine Vielzahl von Diskursen darüber, dass jene, die Israel kritisieren, weil sie ihr Land lieben und an dessen erhabenen, faszinierenden und gerechten Ideale glauben, dafür an den Pranger gestellt und von Rechten als Selbsthasser, Antisemiten und Zerstörer des Zionismus beschimpft werden.

Nun kann man auf eine neues Phänomen treffen – Beschimpfungen und Verneinung derselben Kritik an Israel, aber dieses Mal kommen die Attacken von Palästinensern, anderen Arabern und Muslimen und ihre Verbündeten der europäischen Ultra-Linken.

Die Nachricht ist: Wir kümmern uns nicht, was ihr denkt, wir kümmern uns nicht, was euch dazu bringt euch zu sorgen und vor allem kümmern wir uns nicht darum, ob ihr so denkt, wie wir denken. Ihr seid Israelis, und das ist gut genug für uns – eigentlich schlecht genug für uns – und Grund genug euch zu boykottieren.

Wir haben dies in der mehrfachen Boykottobsession der britischen „Intelligenz“ beobachten können, die im Wesentlichen danach strebte, israelische Kollegen für nicht viel mehr als dafür zu bestrafen als die Sünde, Israeli zu sein. Es ist dem Boykottwahn völlig gleichgültig, ob nicht wenige ihrer Ziele vor Ort für die Aussöhnung im israelisch-palästinensischen Konflikt kämpfen.

Es war ein weiter Weg seit der UN-Resolution 3379 – die 1975 angenommen wurde –, eine Deklaration, die festlegte, dass „Zionismus eine Form von Rassismus und rassischer Diskriminierung ist.“

Obwohl die Resolution 3379 formal tot ist, seit sie 1991 für ungültig erklärt wurde, leben einige ihrer Geister fort. Die offensichtlichste und meist verbreitete Form ist der Aufstieg von islamistischer Ideologie, die in ihrer radikalsten Ausformung das jüdisches Volk im heiligen Land – und sogar an Orten wie Buenos Aires – als eine krebsartige Präsenz und als bevorzugtes Ziel für ihre Angriffe sieht. In einer etwas subtileren Form lebt die Resolution in anderen Phänomenen fort, wie die Antwort auf eine Entscheidung der Organisatoren der Turiner Buchmesse, Israel zum Ehrengast zu erklären.

Anti-Zionismus als Form von Rassismus

Die New York Times berichtete, das eine lokale pro-palästinensische Gruppe das „Büro der Turiner Buchmesse bestürmte und die Einladung Israels rückgängig gemacht wird.”

Es kümmert anscheinend niemanden, das die prominentesten Autoren der Messe, David Grossmann, Amos Oz und A.B. Yehoshua sind; Schriftsteller, die mit der Suche nach Frieden mit den Palästinensern in enge Verbindung gebracht werden, und ein Israel wollen, das sich stärker für Gleichheit, Demokratie und Menschenrechte einsetzt.

Das vielleicht Bemerkenswerteste an der „Buchmessen“-Kontroverse – und die direkteste Wahrnehmung des inhärenten Rassismus von Seiten der Boykott-Befürworter – war die Antwort der Gruppe von mehr als 30 italienischen Intellektuellen und Künstlern. In einem offenen Brief forderten sie Italiens Präsident Giorgio Napolitano der Eröffnung der Messe vorzustehen und sich gegen „jegliche Form von Diskriminierung und blinder Intoleranz gegenüber den Einwohnern und der Kultur Israels“ auszusprechen.

Wo ist die Grenze zwischen legitimer Kritik an der Politik Israels einerseits und rassistischem Anti-Zionismus andererseits? In der Tat gibt eine Grenze:

Es ist rassistisch, zu behaupten, alle Völker außer den Juden hätten ein Recht zur Selbstbestimmung in dem Land ihrer Vorfahren.

Es ist rassistisch, daran festzuhalten, dass die islamischen geschichtlichen und religiösen Ansprüche auf Jerusalem und das Heilige Land absolut sind und in die Antike zurückreichen, gleichzeitig aber die jüdischen historischen und religiösen Ansprüche zu negieren, Juden als Eindringlinge, Usurpatoren und Schwindler im Land ihrer Bibel zu bezeichnen, die auch für Muslime eine heilige Bezugsquelle ist.

Es ist rassistisch, Zionismus als ein Übel zu bezeichnen, vor dem alle anderen Übel in der Welt blass erscheinen.
Es ist rassistisch, Israel – und nur Israel – für seine Verfehlungen bei sozialer Gleichberechtigung, der Ressourcenverteilung, und bei der Suche nach Frieden in die Pflicht zu nehmen und gleichzeitig dabei zu schweigen und sich sogar Mühe zu geben, die gleichen Verfehlungen zu legitimieren, die jene Staaten begehen, auf deren Unterstützerseite man sich gerade befindet.

Israelis als Israelis zu boykottieren zum Verstummen zu bringen ist Menschenrechtsverletzung und hilft zudem noch dabei, die Sache der Palästinenser zu untergraben.

Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist einen Taktik, die trotz ihrer Gefahren oft Erfolg hat. Rassismus mit Rassismus zu bekämpfen ist eine Taktik, die trotz ihrer Anziehungskraft auf Hitzköpfe das nicht tut.
Haaretz, 21.02.08

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