Israelis fordern harsche Vergeltung

Angesichts der anhaltenden Raketenangriffe militanter Palästinenser werden in Israel Rufe nach härteren Vergeltungsmassnahmen laut. Ein Teil des Gazastreifens sollte «von der Landkarte getilgt» werden, forderte Kabinettsminister Meir Schitrit.
Bei einem Raketenangriff auf die Grenzstadt Sderot wurden am Samstag zwei Brüder im Alter von acht und 19 Jahren schwer verletzt. Die israelische Aussenministerin Zipi Livni erklärte, so könne es keinen Frieden mit den Palästinensern geben.

Hier schlug in Sderot am 9. Februar eine Rakete ein. (Bild: reuters)

Israel müsse den Palästinensern eine Lektion erteilen und mit Entschlossenheit gegen die Führung der Hamas vorgehen, sagte Schitrit im Militärrundfunk. Der Nachrichtenagentur AP sagte der Kabinettsminister, Israel müsse eine Region, aus der militante Palästinenser Raketen abfeuerten, "gründlich aufräumen". Die Einwohner sollten aufgefordert werden, ihre Häuser zu verlassen, und dann "sollten wir alles in dieser Gegend zerstören".

Der stellvertretende Ministerpräsident Haim Ramon erklärte, die Regierung müsse gezielt die politische Führung der militanten Palästinenser ins Visier nehmen. Er sprach sich zudem für eine vollständige Einstellung der Stromlieferungen in den Gazastreifen aus. "Wenn sie eine Rakete abschiessen, sollte es weder Strom noch Wasser noch Treibstoff geben. Wenn sie keine abfeuern, dann schon." Verkehrsminister Schaul Mofas nannte gegenüber israelischen Medien das führende Hamas-Mitglied Mahmud Sahar als mögliches Ziel.

Wirtschaftliche Strafmassnahmen forderte auch Infrastrukturminister Binjamin Ben Elieser und erklärte, er befürworte "eine totale Abtrennung von Gaza." Verteidigungsminister Ehud Barak sagte bei einem Besuch in Sderot, die Streitkräfte würden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen.

Eine grossangelegte Offensive ist aber offenbar nicht geplant. Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung, die Regierung müsse methodisch und organisiert vorgehen. Im Visier sei jeder, der an Terrorakten beteiligt sei.

Livni erklärte am Sonntag, es könne keinen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geben, solange aus dem Gazastreifen weiter Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert würden. Ohne echte Veränderungen gebe es keine Hoffnung.

Insgesamt elf Raketen wurden am Samstag vom Gazastreifen aus auf israelisches Gebiet abgefeuert. Eine schlug nach Medienberichten wenige Meter neben einer Strasse ein, auf der gerade eine Familie rannte, um Schutz zu suchen. Die beiden Brüder erlitten schwere Beinverletzungen. Dem Achtjährigen musste ein Bein amputiert werden. Ob das zweite gerettet werden könne, sei noch nicht klar, erklärten Ärzte am Sonntag. Zu dem Angriff bekannten sich die Extremistengruppe Islamischer Dschihad und die Volkswiderstandskomitees.

Wenige Stunden später flogen die israelischen Streitkräfte vier Luftangriffe im Gazastreifen und töteten einen militanten Palästinenser. Damit wurden in der vergangenen Woche bei israelischen Luftangriffen insgesamt 18 Palästinenser getötet.

Bewohner von Sderot verbrannten am Samstagabend Autoreifen, blockierten eine wichtige Kreuzung und forderten einen Militäreinsatz im Gazastreifen, um die Angriffe zu stoppen. Bislang ist Israel damit zurückhaltend, weil die Streitkräfte etliche Opfer unter ihren eigenen Soldaten und palästinensischen Zivilisten befürchten. In den vergangenen Jahren wurden zwölf Israelis bei den Raketenangriffen getötet.

Einwohner von Sderot protestierten in Jerusalem

Wütende Anwohner fordern von der Regierung entschiedene Vergeltungsmassnahmen. (Bild: Reuters)

Dutzende Einwohner der Stadt Sderot, die in einem Konvoi von Privatwagen und Bussen nach Jerusalem gekommen waren, blockierten die Stadteinfahrt durch einen Sitzstreik auf der Strasse. Später machten sie sich zu ss auf den Weg zum Büro des Ministerpräsidenten, um dort gegen die Untätigkeit der Regierung in Bezug auf die tagtäglichen Kassamangriffe zu protestieren. Dutzende Jerusalemer Einwohner schlossen sich den aufgebrachten Bürgern von Sderot aus Solidarität an. Die Demonstranten trugen Bruchstücke von Raketen mit sich, um diese vor Olmerts Büro abzuladen. Des Weiteren warfen sie solche Raketenteile auch auf die Straße und liessen dabei den Warnruf „Farbe Rot“, der aus den Lautsprechern Sderots bei Raktenalarm ertönt, erschallen. Viele Kinder waren dabei und bekundeten, die Nase voll zu haben. Diese Raketen seien kein Witz, sondern sie töten, erklärten sie.

Minister ruft zu Tötung der Hamas-Führer auf

Der israelische Wohnungsbauminister Seev Boim hat dazu aufgerufen, führende Vertreter der palästinensischen Hamas-Bewegung gezielt zu töten. Im Gazastreifen müsse eine "kriegerische Sprache" gesprochen werden, sagte Boim im israelischen Militärfunk. Die Angriffe müssten "den Köpfen der Hydra" gelten, dazu zähle auch der frühere palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija. Bei einem israelischen Angriff mit einer ferngesteuerten Drohne wurde ein Kämpfer der Essedin-el-Kassam-Brigaden der Hamas getötet.

Wohnungsbauminister Boim erinnerte daran, dass Israel in der Vergangenheit Hamas-Führer gezielt getötet hatte, so im Jahr 2004 den Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin. Am Samstag war bei einem palästinensischen Raketenangriff aus dem Gazastreifen in der israelischen Stadt Sderot ein achtjähriges Kind so schwer verletzt worden, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Olmert wollte die "gezielte Liquidierung" von führenden Palästinensern nicht ausschliessen. "Wir werden weiter alle Terroristen angreifen", sagte der Ministerpräsident.

Mohammed Mutar von den Essedin-el-Kassam-Brigaden wurde nach Krankenhausangaben von einer Rakete getroffen, die von einer Drohne abgefeuert worden war. Bei einem zweiten Luftangriff in Chan Junis gab es nach Angaben der Organisation keine Opfer. Ein israelischer Armeesprecher bestätigte den Angriff auf Mutar, der Waffen von Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt habe. Als Reaktion auf fortgesetzten palästinensischen Raketenbeschuss hatte die israelische Armee am Donnerstag im Gazastreifen mindestens sieben Palästinenser getötet. Die Hamas hatte Mitte vergangenen Jahres die Macht im Gazastreifen übernommen.

Die israelische Regierung protestierte bei den Vereinten Nationen gegen den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. In einem an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den UN-Sicherheitsrat adressierten Schreiben habe der israelische UN-Botschafter David Gillerman die anhaltenden Angriffe als "schwere Terrorakte" bezeichnet, teilte das israelische Außenministerium mit. Darin bezeichnete Gillerman den Beschuss als "Teil einer Kampagne der Hamas-Führer mit dem Hauptziel, Israelis zu töten".

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wird derweil zu einem zweitägigen Besuch in Berlin erwartet. Am Montag ist ein Besuch des Jüdischen Museums in Berlin geplant. Für Dienstag sind Treffen Olmerts mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Horst Köhler und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) geplant.
Quelle: jns und Agenturen
10. Februar 2008

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