Müssen Juden immer Blut aufwischen?
Hätte Israel in den letzten Jahren auf Europa gehört, hätte dies hunderte Leben gekostet.
Es schien ein ganz alltäglicher Fall von „Blutbad-Business as usual“ zu sein, als palästinensische Selbstmord-Terroristen am Montag wieder einmal tapfer eine Frau in die Luft sprengten und elf andere Menschen schwer verletzten. Die Hamas jubelte über die mannhafte Heldentat ihrer Märtyrer, Europas Aussenpolitiker riefen Mörder wie Opfer routiniert zur Mäßigung auf, und die Israelis wischten wie üblich das Blut ihrer Landsleute weg.
Doch der Eindruck täuscht, das war kein Fall von Business as usual. Denn der Anschlag in Dimona erregte vor allem deshalb weltweit Aufsehen, weil derartige Attentate in Israel so selten geworden sind. Zwischen Jänner 2007 (als sie todesmutig eine Bäckerei in Eilat sprengten, drei Tote) und dem vergangenen Montag gelang den palästinensischen Terroristen überhaupt kein einziger Selbstmordanschlag in Israel.
Das ist eine eher dramatische Entwicklung, die in Europa freilich kaum wahrgenommen wird. Dramatisch, weil noch 2002 knapp 500 Israelis palästinensischen Anschlägen zum Opfer gefallen sind, also mehr als einer pro Tag. In den darauf folgenden Jahren jedoch ist es Israel gelungen, was als unmöglich galt: derartige Anschläge nahezu völlig zu unterbinden.
Dass dies in Europa kaum wahrgenommen wird, liegt an den Ursachen dieses Erfolges. Denn weder sind die Palästinenser plötzlich friedfertiger gegenüber Israel geworden – ganz im Gegenteil, wie die ununterbrochenen Raketenangriffe der Hamas zeigen –, noch hat das gute Zureden der Europäer und das von der EU gleichsam von Hubschraubern aus abgeworfene (Steuer-)Geld irgendetwas bewirkt.
Als überaus wirksam hingegen hat sich erwiesen, dass Israel die Grenzen zu den Palästinensergebieten mit jenem Sicherheitszaun geschützt hat, der zwar in Europa weithin als unmenschliche Grausamkeit gegenüber den armen Palästinensern denunziert wird, aber dafür das Einsickern von Selbstmordattentätern recht effizient vermeiden hilft.
Als nicht weniger wirksam hat sich darüber hinaus erwiesen, dass Israel in den vergangenen Jahren die Anführer der Terrorgruppen durch „gezielte Tötungen“ ausgeschaltet hat.
Man mag mit guten Gründen den Gedanken höchst unsympathisch finden, dass nicht gutes Zureden, sondern ein Schutzwall und das Töten von Terroristen den Terror gegen Zivilisten in Israel (weitgehend) gestoppt hat – aber Fakten zu negieren, weil sie unerquickliche Gefühle auslösen, ist letztlich eine doch eher unerwachsene Attitüde.
Wer daher – wie etwa auch die österreichische EU-Aussenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in einem „Presse“-Gastkommentar (5. Februar) – in diesem Zusammenhang meint, „Abriegeln (von Gaza, Anm.) bringt keine Sicherheit“, der wird mit dieser ja irgendwie netten Haltung sicher die Gefühlslage der meisten Europäer widerspiegeln. Die Fakten jedoch sprechen eindeutig dafür, dass gerade diese Politik des Abriegelns und Ausschaltens von Terroristen dazu geführt hat, dass die Isrealis immer seltener das Blut ihrer Landsleute aufwischen müssen; auch wenn uns diese Logik nicht freuen mag.
Christian Ortner ist Journalist in Wien.
mailto:christian-ortner@chello.at
5.Februar 2008
Weitere Berichte: